Junge Arbeitnehmer in der Gastronomie: Lebenswelt und Wohlbefinden

Ob als Koch, Servicekraft oder im Hotel - 100 000 junge Beschäftigte arbeiten zurzeit im Gastgewerbe. Doch wie wirkt sich die Arbeit in diesem stressigen und anstrengenden Beschäftigungsfeld auf Berufsanfänger aus? Neben Auszubildenden arbeiten auch zahlreiche Aushilfen und Quereinsteiger im Gastgewerbe, das für seine Beschäftigten oft mehr Belastungen parat hält als andere Arbeitsbereiche.

In einem gemeinsamen Forschungsprojekte untersuchten die Berufsgenossenschaft für Nahrungsmittel und Gaststätten (BGN) sowie die Sozialforschungsstelle der Technischen Universität Dortmund die Arbeitssituation von jungen Arbeitnehmern im Gastgewerbe. Rund 800 Auszubildende wurden befragt, um mehr über die Lebens- und Arbeitswelten sowie die psychische und körperliche Gesundheit zu erfahren. 

Besondere Überlastung durch unregelmäßige Arbeitszeiten und ungünstige Betriebsbedingungen

Themen waren vor allem die Auswirkungen der für das Gastgewerbe charakterisierende Beschäftigungszeiten: oft unregelmäßig, abends und nachts sowie ohne festen Rhythmus. Auch die soziale Integration von Jugendlichen sowie der Einfluss der hohen Anforderungen bezüglich der Flexibilität im Beruf (z.B. Arbeit auf Abruf und vermehrte Teilzeitarbeiter) wurden systematisch untersucht. Neben der psychischen Gesundheit stand auch das körperliche Wohlbefinden im Fokus der wissenschaftlichen Studie.

Gerade die unregelmäßigen und atypischen Arbeitszeiten stellten sich als eine Belastung für die jungen Arbeitnehmer heraus. Denn nicht nur körperlich ist der atypische Zeitrhythmus belastend - besonders die sozialen Kontakte zu Gleichaltrigen, das Sozialleben und auch die Freizeitgewohnheiten inklusive sportlichen Aktivitäten leiden darunter. Dagegen wirken sich regelmäßige und planbare Arbeitszeiten positiv auf das Wohlbefinden der Jugendlichen aus.

Doch nicht alle Auszubildende reagieren gleich auf die Belastungen, die das Gastgewerbe mit sich bringt: Je höher die emotionale Stabilität, desto besser können sie mit den Belastungen umgehen. Entscheidend ist vor allem das subjektive Empfinden von Seiten der Arbeitnehmer.

Trotz Belastung: Stolz und gerne bei der Arbeit

Darüber hinaus ist die Zufriedenheit mit der Tätigkeit wichtig, da sie sich positiv auf die Gesundheit aufwirkt. Dennoch klagen die Befragten oft über ein wenig positives Sozialklima im Betrieb und wenig Unterstützung durch Vorgesetzte und Kollegen. Auch die Überforderung in der Gastronomie wird quantitativ und qualitativ höher als in anderen Dienstleistungsbetrieben bewertet. Zudem werden die emotionalen Anforderungen und die Arbeitsintensität als höher eingeschätzt. Hinzu kommt das fast die Hälfte aller Beschäftigten in der Gastronomie schon einmal mindestens eine Erfahrung mit sexueller Belästigung in Wortform erleben mussten, bei etwa 30 Prozent der Beschäftigten gab es schon mindestens einen körperlichen Übergriff.

Und trotz allem ist die Mehrheit der Auszubildenden stolz auf ihre Tätigkeit und fühlt sich in und mit ihrem Beruf wohl. Sie machen ihre Arbeit mit Freude und bedienen trotz Stress ihre Gäste gerne und freundlich. 

Weitere Informationen und noch mehr Ergebnisse der Studie finden Sie in den rechts angehängten Ergebnispräsentationen.

Kontakt:

Ansprechpartner BGN:
Ellen Schwinger
Telefon 0621-4456-3486
Ellen.Schwinger@bgn.de

 

Ansprechpartner sfs:
Arno Georg
Telefon 0231-8596-240
georg@sfs-dortmund.de